Physiotherapeutische Behandlung bei Tinnitus in Wien

Tinnitus wird oft für ein Problem ohne Lösung gehalten, doch das entspricht nicht den Tatsachen. Es kommt häufig genug vor, dass Tinnitus nach seinem Erstauftreten von selbst oder durch Therapien wieder verschwindet oder zumindest für die Betroffenen unauffälliger wird.

Tinnitustherapie in der Praxis Körperschwung in Wien

Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist eine genaue Befundung des Problems. Diese mache ich in Zusammenarbeit mit Ihrem HNO-Arzt. Bei langzeitigem Tinnitus stellt sich immer die Frage, wie Betroffene mit dem Geräusch umgehen können bzw. wie sehr sie darunter leiden. Es gibt eigene Tests, die versuchen dies zu erheben, um die Therapiebedürftigkeit festzustellen.

Tinnitus als Hörverlust behandeln

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen hatTinnitus fast immer mit einem Hörverlust zu tun und damit meistens mit einem Schaden der überaus empfindlichen Strukturen des Innenohrs, insbesondere der Haarzellen. Eine erfolgreiche Tinnitusbehandlung muss also meist mit der Kompensation dieses Innenohrschadens verknüpft sein.

Seit 2014 gibt es eine Leitlinie aus den USA, die benennt, was und wie behandelt werden sollte (Tunkel et al. 2014a):

  1. Untersuchung durch den HNO-Arzt (audiologisch)
  2. Testung der tatsächlichen Belastung durch den Tinnitus (Ärztin oder Therapeutin)
  3. Aufklärung über Bewältigungsstrategien, Retraining und Verhaltensstrategien (Therapeut, Arzt)
    • Intensive Beratung ist notwendig
    • Entspannungstraining
    • Retraining Therapien
  4. Hörgeräteempfehlung wenn notwendig, eventuell Noiser, Tinnitusmasker, Notchtherapie (Akustiker) und Retraining.

Ein Noiser ist ein im Ohr getragenes Gerät mit weißem Rauschen. Der Tinnitus wird somit durch ein anderes Geräusch gesenkt. Die Intensität wird so gewählt, dass der eigeneTinnitus kaum mehr hörbar ist – dann setzt ein größtmöglicher „Gewöhnungseffekt“ ein.

Bei der Notchtherapie wird mit dem Kombinationshörgerät jede Frequenz unterstützt außer der Tinntiusfrequenz. Diese wird ausgespart.

Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) arbeitet mit Geräuschen, Liedern, akustischer Wahrnehmung, um Tinnitus „auszublenden“. Wie ein ungewollter Exfreund wird der Tinnitus bestmöglich ignoriert, 24 Stunden am Tag. Stattdessen hört man Musik, vertieft sich richtig in diese, beobachtet und sucht Geräusche (besonders Naturgeräusche) in der Umgebung, versucht akustische Stille zu meiden.

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    Wissenswertes über Tinnitus

    Eine Aktivierung der Hörrinde im Gehirn wird vom Menschen als Ton wahrgenommen. Krankhafte Veränderungen des Hörsystems können auch ohne akustische Stimulierung zu dieser Aktivierung und somit zum Tinnitus führen. In jeder Station der Hörbahn – dem Außenohr, Mittelohr, Innenohr, Hörnerv oder dem zentralen Nervensystem – kann die Ursache für den Tinnitus liegen.

    Ein häufiger Grund für einen Tinnitus ist eine Hörminderung (53%). Dabei ist die Tinnitusfrequenz oftmals in derselben Tonhöhe wie der Hörverlust (Lenarz 1998, Hesse et al 2001). Es gibt einen sehr seltenen Tinnitus (0,01%!), bei dem das Ohrgeräusch auch von außen – also durch den/die Untersucher/in wahrgenommen werden kann. Dieser Tinnitus heißt objektiver, echter oder objektivierbarer Tinnitus. Er entsteht durch Körpereigengeräusche, welche durch die Nähe zum Ohr hörbar werden. Meistens sind dies Gefäßgeräusche – Strömungsgeräusche – oder muskuläre Geräusche (Bereich des Gaumensegels oder Zuckungen der Mittelohrmuskeln).

    Weitaus häufiger als der objektive Tinnitus ist der subjektive Tinnitus. Subjektiv heißt, dass das Ohrgeräusch von außen nicht hörbar beziehungsweise nachweisbar ist. Dabei steht Tinnitus häufig im Zusammenhang mit Hörverlust. Im Bereich des Mittelohrs kann ein Hörverlust durch Otosklerose (Erkrankung des Knochens), eine Entzündung oder ein mechanisches Trauma entstehen. Schwerhörigkeit im Innenohr kann beispielsweise durch eine Lärmschwerhörigkeit, eine altersbedingte Schwerhörigkeit, Infektionen, Entzündungen und einiges mehr entstehen. Dies wird vom/von der HNO-Arzt/Ärztin festgestellt. Wirklich selten hören Tinnituspatient/innen völlig normal. Meistens entspricht die Tinnitushöhe dem Bereich, in dem der Hörverlust am größten ist (Hesse 2009),
    was häufig hohe Frequenzen sind. Hört ein/e Tinnituspatient/in sehr gut, wird ein Verarbeitungsfehler in der Hörbahn angenommen.

    Wenn ein Tinnitus besonders störend erscheint, liegt dies häufig daran, dass eine emotionale Komponente dazu kommt. Das bedeutet, dass sich der/die Patient/in über das Geräusch ärgert, wütend ist oder darunter leidet. Der/die Patient/in fühlt sich durch den Tinnitus eingeschränkt (Lenarz 1998, Goebel u. Fichter 2005 ).  Auch Stress wirkt sich ungünstig aus. Wie in der Steinzeit schaltet der Körper bei Stress auf eine fluchtähnliche Situation um, in welcher Fluchthormone (Adrenalin) in den Körper strömen und die Sinne verstärkt werden (besser hören), die für ein Überleben notwendig sind. Damit wird auch ein leises Ohrgeräusch sozusagen „aufgedreht“.

    Ein weiterer Auslöser für Tinnitus können Kopf-, Hals- oder Kiefergelenkverletzungen sein. Hinter dem Kiefergelenk läuft der Hörnerv, welcher durch eine Fehlfunktion des Kiefergelenks getriggert werden kann. Auch die obere Halswirbelsäule hat Verbindungen zum Hörsystem, und kann sich somit darauf auswirken.

    Tinnitus, der lange besteht, wird ähnlich einer Fremdsprache im Gehirn „gelernt“ und abgespeichert. Ähnlich einem Phantomschmerz kann der Tinnitus dann unabhängig der bestehenden oder nicht bestehenden Ursache vom Gehirn erzeugt werden.

    In einem bekannten Experiment von Heller und Bergmann wurde aufgezeigt, dass der Großteil der Menschen einen Tinnitus entwickeln kann. Im Experiment wurden gesunde Student/innen in einen schallisolierten Raum gebracht. 90% dieser hörgesunden Student/innen bekamen nach einiger Zeit einen Tinnitus, obwohl sie vorher niemals einen hatten. Ihr Ohr hatte offenbar die hemmenden Systeme „hinunter gefahren“, um in der Stille etwas wahrzunehmen. Wahrgenommen wurden dann vermutlich körpereigene Geräusche, die normalerweise gehemmt werden. Genau dasselbe passiert auch bei Hörverlust. Das Ohr möchte ausreichend hören und strengt sich an, um alles wahrzunehmen und dreht den „Lautsprecher auf“.

    Medizinisch wird dies beschrieben mit einer erhöhten Sensitivität der Synapsen und Kerngebiete der Hörbahn und einer allgemeinen Verstärkung jeglicher Signale. Somit ist Tinnitus eine abnorme Verstärkung oder fehlende Unterdrückung von Signalen, die normalerweise nicht wahrgenommen werden. Gelingt es dem Gehirn nicht, das entstandene Geräusch in die anderen unterdrückten Körpergeräusche zu integrieren, wird der Tinnitus ein eigenes für den/die Betroffenene/n hörbares
    Phänomen. Wie laut der jeweilige Tinnitus für den/die Betroffene/n ist, hängt von der Belastung ab, die der Tinnitus für diese Person darstellt. Je mehr man sich hinwendet, Angst hat, beobachtet, sich hilflos fühlt und ihn beachtet, desto lauter kann er werden. Auch dauernde „Fluchtbereitschaft“ und Schlafstörungen können entstehen.

    Lang anhaltend kann ein Tinnitus auch Erschöpfungssymptome, Angstzustände und Depression verursachen. Erst wenn der Tinnitus vom/von der Patient/in als ungefährlich eingestuft wird, entspannt der Körper wieder. Bevor dies passiert, laufen dauernd „Alarmprozesse“ im Körper ab.

    Literaturverweis:
    Hesse G. Tinnitus. Zusammenfassung durch Daniela Hohlweg, 2. Auflage, Thieme, Stuttgart 2015.

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